Ein Bericht vom Filmabend in Bonn von Frau Ursula Paetzold

Filmabend im 'Wohnzimmer'

 

Wie im heimischen Wohnzimmer fühlten wir uns, als wir uns am Freitag, den 17. April 2009 zur Vorführung des Filmes: „Leeres Haus“ vom bekannten Regisseut Kim Ki Duk im Café Wohnzimmer in Bonn trafen. Für Speis und Trank hatte Frau Beck in Zusammenarbeit mit dem Café gesorgt, in den Film führte uns Herr Schöler (Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Kunst) ein. Herr Schöller erklärte uns, dass Kim Ki Duk, ähnlich wie in Deutschland Fassbinder, in Korea umstritten sei, vor allem durch seine Gewaltszenen. Nach einer schwierigen Kindheit ist der Regisseur, wie er selbst in einem Zeit-Interview erzählte, gegen Gewalt und Schläge unempfindlich geworden. Er sei zu der Überzeugung gelangt, dass wahre Verständigung unter Menschen nur sehr schwer möglich sei. So verzichtet der Film „Leeres Haus“ fast vollständig auf Dialoge. Seine Sprache sind die Bilder, die wie Herr Rübsamen uns in der sich an den Film anschließenden Diskussion erklärte, an Caravaggios Licht und Schatten Kompositionen erinnern. Bei einigen Szenen, z.B. im Gefängnis, könne man auch an Bühnenbilder Samuel Beckets denken. Diese Hinweise lassen sich vielleicht aus der Biographie Kim Ki Duks herleiten, da er von der Malerei kommend zum Filmregisseur wurde.

 

Der Inhalt des Films löste eine angeregte Diskussion aus. Für einige vermittelte er Hoffnung, andere sahen die Rolle des Hauptdarstellers eher als traurig an. Hier möchte ich eine Deutung anführen, obwohl auch andere ihre Berechtigung haben mögen: Ein junger Mann - offensichtlich ohne Zuhause- fährt mit seinem Motorad durch die Stadt und verteilt

Prospekte. Sobald er bemerkt, dass in einer Wohnung sich die Prospekte ansammeln, d.h. die Wohnung leer ist, dringt er in sie ein und macht sie zu seinem zeitweiligen zu Hause. Er räumt auf, repariert was kaputt ist, wäscht die Wäsche, isst und schläft dort. So kommt er in vier oder fünf Wohnungen ganz unterschiedllicher Art. In einem reichen Haus trifft er auf eine von ihrem Mann misshandelte Frau, die ihn seitdem auf seinen Streifzügen durch die Stadt begleitet. Wohl fühlen sich die beiden vor allem in einem traditionellen Haus, in dem, wie man im Laufe des Filmes

erfährt, ein wirklich glückliches Ehepaar wohnt. In allen anderen modernen Häusern triffen die Hauptpersonen auf Einsamkeit, Ausnutzung und Tod. Als beide einen toten alten Mann, den sie in einer sehr armen Wohnung antreffen, ehrführchig begraben, werden sie des Mordes angeklagt. Da sie in Schweigen hüllen, wird die Anklage erst aufgegeben, als sich herausstellt, dass der alte Mann an Lungenkrebs starb. Für den Hauptdarsteller bleibt die Anklage der Entführung der Frau des reichen Mannes, der sie von der Polizei als sein Eigentum zurückerhält. Im Gefängnis erlernt der  junge Mann die Kunst, sich zu verbergen und kann so, nach seiner Entlassung in allen Wohnungen, die er bis dahin besucht hatte, noch einmal Spuren seiner Anwesenheit hinterlassen. Im Haus des Reichen wartet dessen Frau mit Hoffnung der Mann mit Hass auf das Erscheinen des jungen Mannnes. Er kommt auch, verbirgt sich aber hinter dem Ehemann, der die an den jungen Mannn gerichtete Aussage ich liebe dich als auf sich bezogen versteht. Das Glück und die Freude seiner Frau, die ganz umgewandelt erscheint, machen auch ihn glücklich. So verlässt er das Haus, um zur Arbeit zu gehen und die Liebenden sind allein. Dieses „Happy End“ wird duch den Nachspann: Wir wissen manchmal nicht, ob wir in der Realität leben oder im Traum eingeschränkt. Die Kunst Kim Ki Duks, diese Aussage darzustellen, ist beeindruckend. Die Aussage, dass in der moderen Welt, dargestellt u.a. durch Gewalt und Golfspielen, ein junger Mann keine Heimat hat, stimmt traurig. Man hofft, dass es doch Lichtblicke und Möglichkeiten der Verständigung geben möge. Mit diesen Gedanken gingen wir nachdenklich nach Hause und dachten vielleicht an das Wort von Novalis: Wohin gehen wir? Immer nach Haus. Dies möchte man den Hauptpersonen des Films auch wünschen.

 

 Ursula Paetzold