Reise nach Nordkorea

Nordkorea wünscht stärkeres Engagement Deutschlands und der EU bei Friedensprozess in Nordostasien

Kurz nach den erfolgreichen Gesprächen der EU-Troika in Pjöngjang unter deutschem Vorsitz und vor der nächsten Runde der Sechs-Parteien-Gespräch in Peking hielt sich der Vorsitzende der Deutsch-Koreanischen Parlamentariergruppe des Deutschen Bundestages und Präsident der Deutsch-Koreanischen Gesellschaft, Hartmut Koschyk MdB, zu politischen Gesprächen in Pjöngjang auf.  

Koschyk folgte einer Einladung des Vorsitzenden der Koreanisch-Deutschen Parlamentariergruppe in der Obersten Volksversammlung Nordkoreas, Ri Jong Hyok, der sich auf Koschyks Einladung im vergangenen Oktober in Berlin aufgehalten hatte. Zu Koschyks Gesprächspartnern in Pjöngjang gehörten der Präsident der Obersten Volksversammlung, Choe Tae Bok, der für Europa zuständige Vizeaußenminister Kung Sok Ung, der stellvertretende Außenhandelsminister Jo Jong Ho, die Vorsitzende der Gesellschaft für Koreanisch-Deutsche Freundschaft und stellvertretende Vorsitzende des Komitees für die Kulturbeziehungen zum Ausland, Frau Hong Son Ok, der stellvertretende Abteilungsleiter der Internationalen Abteilung des Zentralkomitees der Partei der Arbeit Koreas, Kim Myong Ho sowie der Präsident der Rongrado-Unternehmensgruppe mit 10.000 Beschäftigten, Pak Kyu Hong, der ebenfalls Mitglied der Obersten Volksversammlung ist und Koschyk im Oktober des vergangenen Jahres in Berlin besucht hatte. 

Bei seinen politischen Gesprächen spürte Koschyk die deutliche Bereitschaft der nordkoreanischen Seite zur strikten und fristgerechten Umsetzung der Einigung der Sechs-Parteien-Gespräche vom 13. Februar diesen Jahres, wobei die nordkoreanische Seite deutlich darauf hinwies, dass die unmittelbar zwischen Vertretern der USA und Nordkorea geführten Gespräche im Januar in Berlin diese Einigung entscheidend vorbereitet hätten. Die nordkoreanische Seite habe bei diesen USA-Nordkorea-Gesprächen Wert darauf gelegt, dass sie in Berlin stattfinden. Damit verbunden wurde der Wunsch geäußert, dass Deutschland und die Europäische Union eine aktivere Rolle beim Friedens- und Stabilitätsprozess auf der nordkoreanischen Halbinsel und in Nordostasien spielen solle, was auch von China unterstützt wird. Im Rahmen einer Verbesserung der Beziehungen zur EU und Deutschland wurde gegenüber Koschyk auch eine grundsätzliche Bereitschaft zu einem umfassenden politischen Dialog geäußert, der auch Menschenrechtsfragen beinhalten könne.  

Im Hinblick auf die wirtschaftliche Zusammenarbeit äußerte die nordkoreanische Seite die Erwartung, dass von deutscher Seite nunmehr das 2002 paraphierte Luftverkehrs- sowie das Investitionsschutzabkommen umgehend ratifiziert werde. Auch strebe man eine Vereinbarung über nordkoreanische Altschulden gegenüber Deutschland an.  

Um ausländischen Unternehmen eine Investitionstätigkeit in Nordkorea zu erleichtern, wurde in Pjöngjang eine neue Handelskammer gegründet mit deren Generalsekretär Yun Yong Sok Koschyk ebenfalls zusammentraf. Auch der Präsident der Korea Rungrado Unternehmensgruppe, Pak Kyu Hong, Mitglied der Obersten Volksversammlung, bekundete gegenüber Koschyk den Wunsch nach intensiverer Kooperation mit deutschen Unternehmen. Koschyk besuchte gemeinsam mit Park Kyu Hong eine Kosmetikfabrik in Pjöngjang, nachdem der nordkoreanische Unternehmenschef bei seinem Besuch im vergangenen Oktober in Sachsen ein dortiges Kosmetikunternehmen besucht hatte. Eine Kooperation kann sich Pak Kyu Hong auch mit deutschen Unternehmen aus dem Bereich des Bekleidungssektors, der Holzverarbeitung sowie im Multimediabereich vorstellen. 

Einen Eindruck von den Möglichkeiten ausländischer Investoren in Nordkorea vermittelte dem CSU-Politiker die Besichtigung der pharmazeutischen Fabrik Pyongsu, bei der es sich um die erste erfolgreiche ausländische Direktinvestition in Nordkorea handelt. Inzwischen ist das Unternehmen dahingehend zertifiziert, dass es nach den Standards der Internationalen Gesundheitsbehörde (WHO) Medikamente herstellen kann. Hier ist das vordringliche Bestreben, die in dem Unternehmen hergestellten Medikamente den internationalen Hilfsorganisationen im Land anzubieten, die bislang derartige Medikamente zur Verteilung an die nordkoreanische Bevölkerung aus dem Ausland importieren. Der Vertreter der ausländischen Investorengruppe, Felix Abt, bezeichnete gegenüber Koschyk die gesetzlichen Rahmenbedingungen für ausländische Investoren in Nordkorea als „sehr modern und durchaus wettbewerbsfähig mit anderen Staaten Asiens“. So erlaube die nordkoreanische Gesetzeslage auch das Transferieren von erzielten Unternehmensgewinnen ins Ausland. Auch die Besteuerung von Joint Ventures sei im Vergleich zu anderen Staaten der Region sehr attraktiv.  

Um Fragen der humanitären Hilfe ging es bei Koschyks Gespräch mit dem Spitzenrepräsentanten der in Nordkorea vertretenen internationalen Organisationen UNDP, WHO, des UN World-Food-Programms, aber auch der FAO. Auch mit Vertretern europäischer Hilfsorganisationen sowie der Deutschen Welthungerhilfe und des Schweizerischen Entwicklungsdienstes traf Koschyk zusammen. Dabei gewann Koschyk die Überzeugung, dass im Zuge der politischen Fortschritte auf der koreanischen Halbinsel über humanitäre Hilfsprojekte hinausgegangen werden sollte und in Nordkorea auch Projekte der klassischen entwicklungspolitischen Zusammenarbeit begonnen werden sollten. In diesem Zusammenhang war Koschyk sehr beeindruckt von einem Projekt einer australischen Finanzgruppe, die in Nordkorea gemeinsam mit örtlichen Stellen einen 500.000 € umfassenden Fonds zur Finanzierung von mittelständisch geprägten Investitionsprojekten eingerichtet hat. Bislang sind 140 kleine und mittlere Unternehmen mit Krediten zwischen 5.000 und 25.000 € aus diesem Fonds gefördert worden, wobei durch niedrige Zinssätze und die Zurückzahlung der Kredite ein revolvierendes Finanzierungssystem geschaffen wurde.  

Nachdem Koschyk bei einem seiner früheren Besuche eine der beiden evangelischen Kirchen in Pjöngjang besucht hatte, stand dieses Mal die einzige katholische Kirche Nordkoreas, die sogenannte Jangchun-Kirche, auf dem Besuchsprogramm. Hier führte Koschyk ein Gespräch mit dem Vorsitzenden der Kirchenverwaltung. Koschyk begrüßte es, dass von Seiten der Katholischen Kirche in Deutschland sowie des katholischen Hilfswerkes Misereor bereits Besuche in Nordkorea stattgefunden haben und Repräsentanten der katholischen Kirchengemeinde Nordkoreas auch Deutschland besucht hätten. Auch die neu errichtete russisch-orthodoxe Kirche in Pjöngjang besichtigte Koschyk, wobei diese im Gegensatz zur katholischen Kirche über einen in Russland geweihten russisch-orthodoxen Priester koreanischer Nationalität verfügt.  

Eine weitere Besuchsstation Koschyks war die Musikhochschule Pjöngjang. Hier hatte Koschyk bereits Studierenden einen Besuch des alljährlichen Bayreuther Osterfestivals sowie DAAD-Stipendien vermittelt. Die ehemaligen DAAD-Stipendiaten sind nunmehr Dozenten an der Musikhochschule. Am Osterfestival 2007 in Bayreuth werden erneut drei Studierende der Musikhochschule und ein Dozent teilnehmen.  

Besonders beeindruckt zeigte sich Koschyk von einem privaten humanitären Hilfsprojekt in Nordkorea. Es handelt sich um die Vermittlung von Praktika für nordkoreanische Ärzte an deutschen Krankenhäusern, wobei die Berliner Charité sich besonders für dieses Projekt engagiert. An der Universitätsklinik Pjöngjang konnte sich Koschyk vom segensreichen Engagement deutscher Krankenhäuser und Ärzte überzeugen, mit deren Hilfe eine Herzchirurgie, eine Dialysestation und eine chirurgische Orthopädie nach deutschem Standard eingerichtet worden sind. Koschyk traf mit elf Ärzten zusammen, die demnächst zu einem dreijährigen Fortbildungsaufenthalt nach Deutschland reisen werden. Koschyk ermutigte dabei die nordkoreanische Seite, die traditionelle koreanisch Naturmedizin (die Koryomedizin) nicht zu vernachlässigen und sie mit ihren Heilerfolgen auch in Deutschland bekannter zu machen. 

Ein wichtiger Programmpunkt Koschyks war der Meinungs- und Informationsaustausch mit den in Nordkorea residierenden EU-Botschaftern, denen gegenüber Koschyk sich auch für einen Dialog mit den nordkoreanischen Streitkräften aussprach, denen nach Überzeugung des CSU-Politikers eine Schlüsselrolle bei der weiteren inneren Entwicklung und weiteren Öffnung des Landes zukommt. 

   

Hartmut Koschyk MdB (1.v.l.) und der Botschafter der Bundesrepublik, Friedrich Ludwig Löhr (3.v.l.),  treffen mit dem stellvertretenden Außenminister Nordkoreas, Kung Sok Ung (2.v.l.), zusammen. 

Der Vorsitzende der Deutsch-Koreanischen Parlamentariergruppe, Hartmut Koschyk MdB, und der Vorsitzende der Koreanisch-Deutschen Parlamentariergruppe, Ri Jong Hyok, treffen in Pjöngjang zusammen. 

Hartmut Koschyk MdB besucht die einzige katholische Kirche Nordkoreas, die sogenannte Jangchun-Kirche, in Pjöngjang. Der

  

Innenraum der Jangchun-Kirche. 

Die neu errichtete russisch-orthodoxe Kirche in Pjöngjang. 

  

Tausende junge Nordkoreaner üben Choreographien für den bevorstehenden 95. Geburtstag des verstorbenen Präsidenten Kim Il Sung ein. 

Der Präsident der Korea Rungrado Unternehmensgruppe, Pak Kyu Hong, Mitglied der Obersten Volksversammlung, führt Produkte der von ihm geleiteten Kosmetikfabrik vor. 

Die von der pharmazeutischen Fabrik Pyongsu produzierten Medikamente entsprechen den Standards der Internationalen Gesundheitsbehörde (WHO). 

Die modernen Maschinen der pharmazeutischen Fabrik Pyongsu zeugen von den ausländischen Investitionen.

Während seines Besuches des Krankenhauses der Medizinischen Hochschule Pjöngjang werden Hartmut Koschyk MdB Behandlungsmethoden der traditionellen Koryomedizin vorgeführt. 

  

Koschyk trifft mit Ärzten des Universitätskrankenhauses Pjöngjang zusammen, die 3 Jahre für einen Forschungsaufenthalt nach Deutschland gehen. Geleitet wird das Projekt auf koreanischer Seite von Dr. Sok Yonk Guk (1.v.r.), Koordinator für die Kooperation zwischen Nordkorea und Deutschland, Prof. Dr. Mun Sang Min (2.v.r.), Direktor des Universitätskrankenhauses Pjöngjang, und Kim Chun Guk (4.v.r.), Leiter der Europaabteilung des nordkoreanischen Außenministeriums. 

  

Hartmut Koschyk MdB trifft Dozenten und Studenten der Musikhochschule Pjöngjang die am Osterfestival 2007 in Bayreuth teilnehmen werden. 

Wiedersehen in Pjöngjang. Hartmut Koschyk MdB trifft ehemalige Stipendiaten des DAAD und Teilnehmer des Osterfestivals in Bayreuth, nunmehr als Dozenten an der Musikhochschule Pjöngjang tätig. 

Blick vom Koryo-Hotel über die nordkoreanische Hauptstadt Pjöngjang.