Offen für das Unbekannte

DKG NRW zu Besuch bei der Kunststudentin und Malerin Jindeok Choi

Bei sonnigem Herbstwetter konnten interessierte Mitglieder des Regionalverbands NRW am 13.10.2019 eine Ausstellung im kurfürstlichen Gärtnerhaus in Bonn, einem Ausstellungsraum des Bonner Künstlerforums,  besuchen.  Die junge Malerin Jindeok Choi (진덕최) studiert seit 2015 bei Prof. Michael Reisch an der renommierten Alanus Hochschule für bildende Kunst in Alfter im Umland von Bonn.

Reiner Schöler vom Vorstand der DKG begrüßte die Besucher und  gab  einige erläuternde Anmerkungen zur Künstlerin und zu den Formaten. Jindeok  Choi ist am 19. Februar 1992 in der Provinz Gyeongsang-do in Busan geboren, seit 2013 lebt sie in Deutschland.  Sie  hat erst in Deutschland intensiv mit dem Malen begonnen und ihre Bewerbungen haben die Kunstakademie Münster und sowie auch die Alanus Hochschule überzeugt. Im Gärtnerhaus präsentiert sie, von einer Jury ausgewählt, ihre erste Einzelausstellung mit zehn mittel-formatigen Ölgemälden, Aquarellzeichnungen und experimentellen Objektarbeiten. Diese CD Objekte sind gestaltet und auch abspielbar, sie haben Inhalt. Die Künstlerin erläuterte ihren Besuchern von der DKG an diesem Nachmittag persönlich ihre Werke und den Arbeitsprozess. Sie führte durch die Ausstellung, demonstrierte und war offen für Fragen rund um ihren spannenden Werdegang und ihre Bilder.

Jung und spontan, fröhlich und nachdenklich erscheint im ersten Augenblick die koreanische Künstlerin. Die Bedeutung ihrer Bilder erschließt sich im Gespräch. Als Schülerin habe sie „Malen“ nach vorgegebenen Regeln gehasst, vielleicht auch, weil sie nie verstanden habe, dass die Lehrerin ihre blaue Sonne, einen Kreis, nicht mochte. Die Sonne sei gelb, war die vorgegebene Regel.

Jindeok Choi beginnt ihre Bilder spontan, eine große Bewegung bringt einen schwarzen Strich auf die Leinwand.  Ihre experimentelle Malerei zeigt viele Striche, sie führt den Betrachter von oben nach unten. In den Bildern trifft Gegenständliches Abstraktes, der Traum trifft die Fiktion, der Mensch ruht, sitzt, liegt in der Natur oder er erscheint wie demütig gebeugt.  Für den Betrachter wirken die farbenfrohen Werke ähnlich koreanischer Volkskunst. Geprägt ist Jindeok Choi durch ihre Jugend in Korea, daher vielleicht auch der teils buddhistisch anmutende ruhende, weiß gekleidete „Geist“ auf dem Baum.

Die Bilder stehen zwischen den Kulturen, inhaltlich und über die Darstellung. Ihre Bilder beginnt sie spontan, es gibt keine Korrekturen, „nie“, wie sie sicher festlegt, manches wird improvisiert, vieles mit Farben und Form experimentiert.

Der mehrfach ausgezeichnete Maler und Graphiker  Dr. Dieter Rübsaamen, Mitglied der DKG NRW, der selbst vor ca. 50 Jahren hier im Künstlerforum eine seiner ersten Ausstellung hatte, gab im Gespräch der Künstlerin eine Menge Anregungen. Beide erkannten viele Ähnlichkeiten in der Art mit Inhalten, Texten und Farbe umzugehen, ein interessanter Austausch zwischen dem renommierten und erfahrenen Künstler und der experimentierfreudigen und offenen jungen Studentin. Rübsaamen wies besonders auf die Eigenständigkeit der Arbeiten Chois hin. Für das künstlerische Schaffen sei ein zu akademisch reflektierendes Bewusstsein eher hinderlich, meinte Rübsaamen unter Bezug auf Heinrich von Kleists Schrift „Über das Marionettentheater“. Hilfreicher sei ein Zustand von intuitiver Natürlichkeit. Der persönliche Austausch dazu soll bald fortgesetzt werden.

Verfasser und Fotos       Andreas Domschke, Ursula Paetzold

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