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Han Ho-san – der koreanische „Bergtiger“, der deutsche Judo-Geschichte schrieb
Han Ho-san wurde als Sohn eines Bauunternehmers in Seoul geboren. Schon mit 17 Jahren zeigte sich sein sportliches Talent: Er wurde koreanischer Judo-Hochschulmeister, machte seinen Abschluss an der Yangchung High School und studierte anschließend Architektur und Kunst an der Hongik-Universität. Der sportliche Höhepunkt seiner aktiven Karriere kam 1961: Bei der Judo-Weltmeisterschaft in Paris erreichte er den fünften Platz – und wurde daraufhin zu Südkoreas Sportler des Jahres gewählt.
Ankunft in Deutschland
1962 zog Han nach Deutschland, um zu studieren, und schloss sein Architekturstudium 1964 an der heutigen Leibniz Universität Hannover ab. Parallel blieb er dem Judo treu: Bereits 1963 wurde er Trainer der niedersächsischen Landesauswahl – als erster Koreaner, der in Deutschland Judo trainierte.
Die große Trainer-Karriere
1965 begann sein Werk beim Deutschen Judo-Bund, das 35 Jahre dauern sollte. Parallel hat Han eine Trainerlizenz an der Sporthochschule Köln erworben. Han war als äußerst disziplinierter Perfektionist bekannt, der stets abschloss, was er begonnen hatte.
Er durchlief verschiedene Stationen:
Cheftrainer des Männer-Teams (1965–1982), Nachwuchstrainer (1982–1990), dann wieder Cheftrainer und schließlich Trainer-Koordinator bis 2000.
Unter seiner Leitung erlebte der deutsche Judosport eine wahre Blütezeit: Insgesamt gewannen deutsche Judoka unter Han 56 Goldmedaillen bei Olympischen Spielen, Weltmeisterschaften und Europameisterschaften. Bedeutende Meilensteine waren dabei die Olympischen Spiele 1964 in Tokio, die Europameisterschaften 1968 in Lausanne sowie die Olympischen Spiele 1996 in Atlanta.
Sein eigener Verein: JC Han Ho San
Neben seiner Arbeit als Bundestrainer gründete Han in Kerpen-Sindorf einen eigenen Judoclub, der seinen Namen trägt: den JC Han Ho San. Dort bot er Judotraining für Kinder und Erwachsene an – auch am Standort Brüggen. Der Verein war Ausdruck seiner tiefen Verwurzelung in der Region, in der er den Großteil seines Lebens in Deutschland verbrachte, und gab seiner Trainerphilosophie über die Nationalmannschaft hinaus ein bleibendes lokales Zuhause. Sein Weg war das Lob und nicht der Tadel.
Brückenbauer zwischen zwei Ländern
Han Ho-san war Zeit seines Lebens mehr als nur ein herausragender Trainer – er verkörperte selbst die Verbindung zwischen Korea und Deutschland. Han Ho-San war ein großartiger Vertreter der Koreaner in Deutschland und Jahrzehnte gemeinsam mit seiner Frau der Deutsch-Koreanischen Gesellschaft eng verbunden. Als gebürtiger Koreaner, der zum deutschen Staatsbürger wurde, in Deutschland eine Familie gründete und dort über Jahrzehnte einen der erfolgreichsten Sportverbände mitprägte, stand er wie kaum ein anderer für den kulturellen und sportlichen Austausch zwischen beiden Nationen.
Das südkoreanische Außenministerium würdigte ihn 1995 ausdrücklich als „einen der besten Botschafter unseres Landes im Ausland“ – eine Anerkennung, die genau diese Doppelrolle unterstreicht: als jemand, der koreanische Werte, Disziplin und Judo-Tradition nach Deutschland brachte und zugleich als lebendiges Bindeglied zwischen der Heimat Korea und seiner Wahlheimat Deutschland wirkte.
Ein neues Zuhause am Niederrhein
1974 wurde Han deutscher Staatsbürger und lebte fortan in Kerpen-Sindorf. Er war verheiratet, hatte zwei in Deutschland geborene Söhne und später Enkelkinder. Golf wurde neben Judo sein sportliches Hobby.
Ehrungen
Han war sein Leben lang ein großzügiger Ansprechpartner für junge Koreaner, die in Deutschland im sportlichen Bereich tätig sein wollten. Für seine Verdienste erhielt er zahlreiche Auszeichnungen: das Silberne Lorbeenblatt (1967), 1999 den koreanischen Kuk-Min-Hun-Chang vom südkoreanischen Präsidenten und 2004 das Bundesverdienstkreuz.
Bei seiner Ehrung sagte er humorvoll, er werde dem Judosport treu bleiben – „bis zum Umfallen!“ Ende 2000 ging er dann doch vorzeitig in den Ruhestand, „damit eine neue Generation die Chance hat, eine neue Mannschaft aufzubauen“. Bei der WM 2001 in München wurde er offiziell verabschiedet, zum Ehren-Bundestrainer ernannt und erhielt den 9. Dan.
Sein Vermächtnis
Han Ho-san starb am 11. August 2026 im Alter von 87 Jahren – als eine der prägendsten Figuren des deutschen Judos, dessen „goldene Ära“ untrennbar mit seinem Namen verbunden bleibt, und als ein Mann, der zeitlebens die beiden Länder –Korea und Deutschland- miteinander verband. Seine Familie und mehr als 200 Freunde und Weggefährten begleiteten Han Ho-San auf seinem letzten Weg von der Trauerfeier in der Kirche St. Ulrich zu seiner letzten Ruhestätte.
Seine Urne ist auf dem Friedhof in Kerpen-Sindorf beigesetzt.

Autoren
Richard-Andreas Domschke und Reiner Karl Werner Schöler
Bildquellen: Deutsche Judo-Bund (DJB), Reiner Karl Werner Schöler
1. Quartalsmail 2020 des Präsidenten der Deutsch-Koreanischen Gesellschaft...DE: Um Google Translate zu nutzen, aktivieren Sie bitte die Datenübertragung.
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