Unsere Jugend ist ein Teil der Geschichte Koreas


Vor 60 Jahren begann für 128 Koreanische Krankenschwestern nach Krieg und Armut in der Heimat ein neuer Anfang – hier bei uns in Deutschland

Es ist 60 Jahre her, dass sich die ersten 128 Koreanischen Krankenschwestern den Weg nach Deutschland machten. Insgesamt kamen fast 8.000 junge Frauen aus Korea nach Deutschland, um in den Krankenhäusern den Aufbau in Deutschland unterstützt und mitzuhelfen, eine Krise der Gesundheitsversorgung abzuwenden. Sie haben oft unbemerkt, aber stets zuverlässig und mit großem persönlichen Einsatz fernab der Heimat zum Aufbau und Wohlstand in den Städten und Gemeinden Deutschlands beigetragen.

Zunächst für 3 Jahre angeworben, sind viele von Ihnen hier geblieben und haben Familien gegründet. Die Deutsch-Koreanische Gesellschaft e.V. (DKG) wurde ebenfalls vor 60 Jahren gegründet, um den koreanischen Bergleuten und Krankenschwestern die Integration in die deutsche Gesellschaft zu erleichtern und die guten Beziehungen zwischen Deutschland und Korea im zivilen Bereich zu fördern. Durch die engen Beziehungen beider Länder, die über viele Jahre gewachsen sind, und nicht zuletzt durch stetes gemeinnütziges Engagement in Vereinen und Netzwerken haben sich die Koreaner der ersten Generation in Deutschland erfolgreich integriert, aber bis heute ihre Kultur und ihre Identität erhalten. Hieraus ist auch eine enge Zusammenarbeit mit der DKG entstanden, wie Reiner Schöler vom Regionalverband NRW in seinem Grußwort in Essen betonte.

Um das 60-jährige Jubiläum zu feiern, waren zahlreiche Gäste aus dem In- und Ausland am 4. und 5. September nach Essen und Bottrop gekommen. Als die koreanische und die deutsche Nationalhymne eingespielt wurden, konnten die rd. 400 Anwesenden spüren, wie prägend dieses Kapitel für die Geschichte der deutsch-koreanischen Freundschaft ist.

Vertreter der Generalversammlung der Auslandskrankenschwestern, der Korean Nursing Association und des Overseas Korean Office waren unter den Gästen, wie auch der Gesundheitsminister von Nordrhein-Westfalen, Karl-Josef Laumann und die Parlamentarische Staatssekretärin bei der Bundesministerin für Arbeit und Soziales, Kerstin Griese. Aus Berlin angereist war S.E. Botschafter Kyunksok Koh, der neben seiner Glückwunschrede auch einen Gruß des Koreanischen Präsidenten Lee Jae-Myung überbrachte. „Ich werde Ihr Opfer nie vergessen“ drückte Präsident Lee stellvertretend für sein Land seine tiefe Dankbarkeit aus. „Zum Glück sind Sie hiergeblieben“, so Karl-Josef Laumann, und Kerstin Griese ergänzte „Sie bereichern unser Land, in dem wir gemeinsam leben, mit Ihrer Kultur und Ihrer seit 60 Jahren anhaltenden Vielfalt und Freundschaft“.

Viele weitere Ehrengäste waren der Einladung gefolgt, unter anderem Barbara Sternagel, die Generalsekretärin der DKG und Ok-Hi Hyun vom Gesamtvorstand der DKG aus Berlin. Der Bürgermeister der Stadt Gumi in Süd-Korea Jangho Kim schilderte, wie die aus Deutschland erhaltene Hilfe beim Aufbau des Gemeindelebens maßgeblich beitragen konnte. Die Vorsitzende des Vereins der Koreanischen Krankenschwestern und Krankenpflegerinnen e.V. So-Hyang Park-Schwerdtfeger gab einen sehr persönlichen Einblick, wie groß die Not der heute 70- bis 80 Jährigen war, als sie als junge Frauen Familie und Heimat verließen und in die Fremde gingen. Aus einem Abschied für einige Jahre ist oftmals ein Abschied für immer geworden. „Unsere Jugend ist ein Teil der Geschichte Koreas“, so So-Hyang Park. Alle Anwesenden wussten, dass es auch ein Teil der deutschen Nachkriegsgeschichte ist, die hier erzählt wurde.

Im Außenbereich der Veranstaltung war eine Fotoausstellung mit dem Titel „60 Jahre Widmung, Momente der Erinnerung“ organisiert. Junge Frauen unter Tränen am Flughafen Gimpo in Seoul waren zu sehen, als sie sich von ihren Familien verabschiedeten. Die Ankunft auf deutschen Flughäfen und auch Fotos in den Krankenhäusern bei der Versorgung deutscher Patienten waren ausgestellt. In einer Festschrift zum 60-jährigen Jubiläum, die am Eingang der Festhalle überreicht wurde, sind sowohl Grußworte als auch wichtige Dokumente und Zeitzeugenberichte festgehalten.

Im Kulturteil des Programms folgten traditioneller Tanz, Gesang, Chor und populäre Lieder koreanischer Künstler. Es wurde getanzt und gelacht, bevor sich die Gäste schließlich am reichhaltigen koreanischen Essen stärken konnten. Bei der anschließenden Verlosung kam unter den anwesenden Gästen noch einmal Spannung auf.

Auch die Deutsch-Koreanische Gesellschaft feiert in diesem Jahr ihr 60-jähriges Jubiläum. Mit tiefem Respekt und großer Dankbarkeit für die vergangenen 60 Jahre aber auch für diese gelungene Veranstaltung stehen wir an eurer Seite und werden auch weiterhin Teil der Geschichte der Koreanischen Krankenschwestern und Krankenpflegerinnen in Deutschland sein.

Bericht: Wolfram van Stephold, DKG NRW (dkg.nrw@gmail.com)
Fotos: Dengue Choi, Wolfram van Stephold