4. August 2026 Regionalverband Bayern

Vom Grünen Band zur DMZ: Deutsch-koreanischer Peace Walk in Mödlareuth


Anlässlich des 73. Jahrestages des Waffenstillstandsabkommens auf der koreanischen Halbinsel lud die Frankfurter Regionalgruppe des Peaceful Unification Advisory Council (PUAC) unter dem Regionalleiter Jung-Hwan Lee am 26. Juli 2026 zum „PEACE WALK 2026 – Vom Grünen Band zur DMZ“ nach Mödlareuth ein. Gemeinsam mit dem Deutsch-Deutschen Museum Mödlareuth, dem BUND, dem Grünen Band Deutschland und der Deutsch-Koreanischen Gesellschaft entstand eine Veranstaltung, die die deutsche Erfahrung von Teilung und Wiedervereinigung mit den Hoffnungen auf Frieden und Verständigung auf der koreanischen Halbinsel verband.

Rund 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Deutschland, Korea und mehreren anderen Ländern kamen an diesem symbolträchtigen Ort zusammen. Mödlareuth, das über Jahrzehnte hinweg durch Mauer, Zäune und Grenzanlagen geteilt war und deshalb als „Little Berlin“ bekannt wurde, steht heute beispielhaft für die Überwindung von Trennung und die Kraft der Versöhnung und ist ein Ort, an dem man die Geschichte der deutschen Teilung und Wiedervereinigung hautnah erleben kann.

Nach der Begrüßung durch den Hauptorganisator Seung-Seok Ryu, Berater des PUAC Frankfurt, wurden die Ziele der Veranstaltung deutlich: Erinnerung bewahren, voneinander lernen und gemeinsam über Wege zu Frieden und Verständigung nachdenken. In seiner Eröffnungsrede unterstrich Ryu, dass Deutschland seine schmerzhafte Teilungsgeschichte nicht vergessen, sondern in eine Zukunft der Hoffnung verwandelt habe. Mödlareuth und das Grüne Band seien Orte, an denen sichtbar werde, wie aus Grenzen Räume für Begegnung entstehen können. Diese Erfahrung könne auch Menschen auf der koreanischen Halbinsel Hoffnung geben. Er fügte hinzu: „Ich hoffe, dass das heutige Treffen eine neue Brücke des Friedens zwischen Deutschland und Korea sein wird.“

Begrüßung durch Seung-Seok Ryu, Hauptorganisator und Berater Peaceful Unification Advisory Council (PUAC) Frankfurt

Zu den Ehrengästen gehörten Prof. Dr. Hubert Weiger, Ehrenvorsitzender des BUND und Beauftragter für das Grüne Band, Thomas Elster, Honorarkonsul der Republik Korea in Bayern, Robert Lebegern, Museumsleiter des Deutsch-Deutschen Museums Mödlareuth, Juliana Baron als Vizepräsidentin der Deutsch-Koreanischen Gesellschaft sowie Frank Hollmann, Regionalleiter der DKG Bayern.

Grußworte durch Prof. Dr. Hubert Weiger, Ehrenvorsitzender des BUND und Beauftragter für das Grüne Band und Regionalleiter Jung-Hwan Lee, PUAC Frankfurt

Grußworte durch Robert Lebegern, Museumsleiter des Deutsch-Deutschen Museums Mödlareuth

In seinem Grußwort spannte Honorarkonsul Thomas Elster den Bogen von der deutschen Geschichte zur Gegenwart auf der koreanischen Halbinsel. Aus eigener Erfahrung, aufgewachsen nahe der innerdeutschen Grenze, erinnerte er an die tiefen Einschnitte, die Teilung für Familien, Nachbarn und ganze Regionen bedeutete. Gleichzeitig verwies er auf eine oft vergessene Lehre der deutschen Wiedervereinigung: Noch 1988 wurde in Deutschland ernsthaft darüber diskutiert, das Ziel der Wiedervereinigung aus dem politischen Bewusstsein zu streichen, weil es vielen unerreichbar erschien. Nur ein Jahr später fiel die Berliner Mauer. Daraus leitete Elster die Botschaft ab, dass Geschichte nicht geradlinig verläuft und sich selbst scheinbar festgefahrene Situationen unerwartet verändern können. Gerade angesichts der aktuellen Entwicklungen in Nordkorea sei es wichtig, realistisch zu bleiben, aber die Hoffnung auf Dialog, Verständigung und friedliche Perspektiven nicht aufzugeben. Der Peace Walk sei ein Beispiel dafür, wie solche Begegnungen möglich werden.

Vortrag durch Thomas Elster, Honorarkonsul der Republik Korea in Bayern

Besonders eindrucksvoll war das Grußwort von Prof. Dr. Hubert Weiger. Er erläuterte die doppelte Bedeutung des Grünen Bandes als Natur- und Erinnerungslandschaft. Entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze entstand auf rund 1.400 Kilometern einer der bedeutendsten Biotopverbünde Europas. Gleichzeitig erinnert das Grüne Band an die Folgen von Teilung, an Grenzregime und an den langen Weg zur deutschen Einheit. Weiger schilderte die Entstehungsgeschichte des Grünen Bandes unmittelbar nach dem Fall der Berliner Mauer und die jahrzehntelangen Bemühungen, diesen einzigartigen Natur- und Kulturraum zu erhalten. Der Raum, der einst als „Todesstreifen“ bezeichnet wurde, ist heute zum Symbol für Biodiversität, Frieden und Geschichtsbildung geworden, und derzeit werde sogar die Anerkennung als UNESCO-Weltkultur- und Weltnaturerbe angestrebt.

Von besonderem Interesse für die koreanischen Teilnehmer war Weigers Blick auf die koreanische DMZ. Auch die DMZ könne eines Tages zu einem Ort des Erinnerns, Lernens und der Begegnung werden. Er warb dafür, die Erfahrungen Deutschlands frühzeitig für die koreanische Diskussion nutzbar zu machen und Natur-, Kultur- und Geschichtsschutz gemeinsam zu denken.

Im Anschluss erkundeten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer das Deutsch-Deutsche Museum Mödlareuth. Die erhaltenen Grenzanlagen, Wachtürme und Zeitzeugnisse vermittelten ein anschauliches Bild vom Alltag in einem Dorf, das über Jahrzehnte hinweg durch ein politisches System geteilt wurde. Für viele koreanische Gäste wurde hier unmittelbar nachvollziehbar, welche Auswirkungen eine Grenze auf das Leben der Menschen haben kann.

Eindrücke an der ehemaligen Deutsch-Deutschen Grenze in Mödlareuth

Nach dem gemeinsamen Mittagessen und zahlreichen Gesprächen folgte der Höhepunkt des Tages: die Friedensspaziergang entlang des Grünen Bandes unter der Leitung von Thomas Findeis. Als Projektleiter des Naturschutzgroßprojekts „Grünes Band Dreiländereck Bayern–Sachsen–Thüringen“ führte er die Gruppe entlang der ehemaligen Grenzlinie und machte die Geschichte des Ortes mit großer Sachkenntnis lebendig. Gemeinsam mit den historischen Einordnungen von Prof. Dr. Weiger entstand ein eindrucksvolles Bild davon, wie eng deutsche Zeitgeschichte, Naturschutz und demokratische Entwicklung miteinander verwoben sind. Die Teilnehmer konnten dort stehen, wo einst Grenzzäune und Wachtürme das Land teilten, und gleichzeitig erleben, wie sich entlang dieser ehemaligen Trennlinie ein wertvoller Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten entwickelt hat.

Thomas Findeis, Projektleiter des Naturschutzgroßprojekts „Grünes Band Dreiländereck Bayern–Sachsen–Thüringen

Besondere Eindrücke hinterließen die persönlichen Gespräche während des Peace Walks. Menschen mit eigenen Erfahrungen aus der Zeit der deutschen Teilung kamen mit Teilnehmern aus Korea ins Gespräch. Eine Koreanerin berichtete von ihrer Kindheit in einem Dorf nahe der Grenze zu Nordkorea und zog bewegende Parallelen zur Geschichte Mödlareuths. Gerade diese persönlichen Geschichten machten deutlich, dass sich hinter politischen Begriffen wie Teilung und Wiedervereinigung immer die Lebenswege einzelner Menschen verbergen.

Friedensspaziergang entlang des Grünen Bandes unter der Leitung von Thomas Findeis

Auch Frank Hollmann brachte seine persönlichen Erfahrungen ein. Als Journalist hatte er die Zeit der Grenzöffnung, den Abbau von Zäunen und Minenfeldern sowie die Umbrüche nach der Wiedervereinigung unmittelbar begleitet. Er erinnerte daran, wie schnell sich Geschichte verändern kann, und verwies zugleich auf die Parallelen zwischen dem Grünen Band und der koreanischen DMZ als Rückzugsräume für die Natur inmitten ehemals streng bewachter Grenzregionen.

Gruppenbild „Peace Walk 2026 – Vom Grünen Band zur DMZ“, Mödlareuth

Der Peace Walk in Mödlareuth zeigte eindrucksvoll, wie aus Erinnerungsorten Räume des Dialogs entstehen können. Die Verbindung deutscher und koreanischer Erfahrungen, die Begegnung von Menschen unterschiedlicher Generationen und die gemeinsame Auseinandersetzung mit Geschichte, Natur und Frieden machten die Veranstaltung zu einem besonderen Beispiel deutsch-koreanischer Verständigung.

Vertreter der Deutsch-Koreanischen Gesellschaft Bayern: Alexander Son, Thomas Elster, Frank Hollmann, Juliana Baron

Die Deutsch-Koreanische Gesellschaft dankt insbesondere ihrem Mitglied Seung-Seok Ryu für seine Initiative und sein großes Engagement bei der Organisation des Peace Walks sowie der PUAC Frankfurt für die Ausrichtung dieser gelungenen Veranstaltung. Der gemeinsame Weg entlang des Grünen Bandes hat gezeigt, wie wertvoll persönliche Begegnungen sind – und dass die Erfahrungen der deutschen Geschichte auch heute noch Hoffnung geben können: dass aus Grenzen Brücken werden und aus Orten der Trennung Orte der Begegnung entstehen können.

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