Vom Grünen Band zur DMZ: Deutsch-koreanischer Peace Walk in Mödlareuth

Anlässlich des 73. Jahrestages des Waffenstillstandsabkommens auf der koreanischen Halbinsel lud die Frankfurter Regionalgruppe des Peaceful Unification Advisory Council (PUAC) unter dem Regionalleiter Jung-Hwan Lee am 26. Juli 2026 zum „PEACE WALK 2026 – Vom Grünen Band zur DMZ“ nach Mödlareuth ein. Gemeinsam mit dem Deutsch-Deutschen Museum Mödlareuth, dem BUND, dem Grünen Band Deutschland und der Deutsch-Koreanischen Gesellschaft entstand eine Veranstaltung, die die deutsche Erfahrung von Teilung und Wiedervereinigung mit den Hoffnungen auf Frieden und Verständigung auf der koreanischen Halbinsel verband.

Rund 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Deutschland, Korea und mehreren anderen Ländern kamen an diesem symbolträchtigen Ort zusammen. Mödlareuth, das über Jahrzehnte hinweg durch Mauer, Zäune und Grenzanlagen geteilt war und deshalb als „Little Berlin“ bekannt wurde, steht heute beispielhaft für die Überwindung von Trennung und die Kraft der Versöhnung und ist ein Ort, an dem man die Geschichte der deutschen Teilung und Wiedervereinigung hautnah erleben kann.

Nach der Begrüßung durch den Hauptorganisator Seung-Seok Ryu, Berater des PUAC Frankfurt, wurden die Ziele der Veranstaltung deutlich: Erinnerung bewahren, voneinander lernen und gemeinsam über Wege zu Frieden und Verständigung nachdenken. In seiner Eröffnungsrede unterstrich Ryu, dass Deutschland seine schmerzhafte Teilungsgeschichte nicht vergessen, sondern in eine Zukunft der Hoffnung verwandelt habe. Mödlareuth und das Grüne Band seien Orte, an denen sichtbar werde, wie aus Grenzen Räume für Begegnung entstehen können. Diese Erfahrung könne auch Menschen auf der koreanischen Halbinsel Hoffnung geben. Er fügte hinzu: „Ich hoffe, dass das heutige Treffen eine neue Brücke des Friedens zwischen Deutschland und Korea sein wird.“

Begrüßung durch Seung-Seok Ryu, Hauptorganisator und Berater Peaceful Unification Advisory Council (PUAC) Frankfurt

Zu den Ehrengästen gehörten Prof. Dr. Hubert Weiger, Ehrenvorsitzender des BUND und Beauftragter für das Grüne Band, Thomas Elster, Honorarkonsul der Republik Korea in Bayern, Robert Lebegern, Museumsleiter des Deutsch-Deutschen Museums Mödlareuth, Juliana Baron als Vizepräsidentin der Deutsch-Koreanischen Gesellschaft sowie Frank Hollmann, Regionalleiter der DKG Bayern.

Grußworte durch Prof. Dr. Hubert Weiger, Ehrenvorsitzender des BUND und Beauftragter für das Grüne Band und Regionalleiter Jung-Hwan Lee, PUAC Frankfurt

Grußworte durch Robert Lebegern, Museumsleiter des Deutsch-Deutschen Museums Mödlareuth

In seinem Grußwort spannte Honorarkonsul Thomas Elster den Bogen von der deutschen Geschichte zur Gegenwart auf der koreanischen Halbinsel. Aus eigener Erfahrung, aufgewachsen nahe der innerdeutschen Grenze, erinnerte er an die tiefen Einschnitte, die Teilung für Familien, Nachbarn und ganze Regionen bedeutete. Gleichzeitig verwies er auf eine oft vergessene Lehre der deutschen Wiedervereinigung: Noch 1988 wurde in Deutschland ernsthaft darüber diskutiert, das Ziel der Wiedervereinigung aus dem politischen Bewusstsein zu streichen, weil es vielen unerreichbar erschien. Nur ein Jahr später fiel die Berliner Mauer. Daraus leitete Elster die Botschaft ab, dass Geschichte nicht geradlinig verläuft und sich selbst scheinbar festgefahrene Situationen unerwartet verändern können. Gerade angesichts der aktuellen Entwicklungen in Nordkorea sei es wichtig, realistisch zu bleiben, aber die Hoffnung auf Dialog, Verständigung und friedliche Perspektiven nicht aufzugeben. Der Peace Walk sei ein Beispiel dafür, wie solche Begegnungen möglich werden.

Vortrag durch Thomas Elster, Honorarkonsul der Republik Korea in Bayern

Besonders eindrucksvoll war das Grußwort von Prof. Dr. Hubert Weiger. Er erläuterte die doppelte Bedeutung des Grünen Bandes als Natur- und Erinnerungslandschaft. Entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze entstand auf rund 1.400 Kilometern einer der bedeutendsten Biotopverbünde Europas. Gleichzeitig erinnert das Grüne Band an die Folgen von Teilung, an Grenzregime und an den langen Weg zur deutschen Einheit. Weiger schilderte die Entstehungsgeschichte des Grünen Bandes unmittelbar nach dem Fall der Berliner Mauer und die jahrzehntelangen Bemühungen, diesen einzigartigen Natur- und Kulturraum zu erhalten. Der Raum, der einst als „Todesstreifen“ bezeichnet wurde, ist heute zum Symbol für Biodiversität, Frieden und Geschichtsbildung geworden, und derzeit werde sogar die Anerkennung als UNESCO-Weltkultur- und Weltnaturerbe angestrebt.

Von besonderem Interesse für die koreanischen Teilnehmer war Weigers Blick auf die koreanische DMZ. Auch die DMZ könne eines Tages zu einem Ort des Erinnerns, Lernens und der Begegnung werden. Er warb dafür, die Erfahrungen Deutschlands frühzeitig für die koreanische Diskussion nutzbar zu machen und Natur-, Kultur- und Geschichtsschutz gemeinsam zu denken.

Im Anschluss erkundeten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer das Deutsch-Deutsche Museum Mödlareuth. Die erhaltenen Grenzanlagen, Wachtürme und Zeitzeugnisse vermittelten ein anschauliches Bild vom Alltag in einem Dorf, das über Jahrzehnte hinweg durch ein politisches System geteilt wurde. Für viele koreanische Gäste wurde hier unmittelbar nachvollziehbar, welche Auswirkungen eine Grenze auf das Leben der Menschen haben kann.

Eindrücke an der ehemaligen Deutsch-Deutschen Grenze in Mödlareuth

Nach dem gemeinsamen Mittagessen und zahlreichen Gesprächen folgte der Höhepunkt des Tages: die Friedensspaziergang entlang des Grünen Bandes unter der Leitung von Thomas Findeis. Als Projektleiter des Naturschutzgroßprojekts „Grünes Band Dreiländereck Bayern–Sachsen–Thüringen“ führte er die Gruppe entlang der ehemaligen Grenzlinie und machte die Geschichte des Ortes mit großer Sachkenntnis lebendig. Gemeinsam mit den historischen Einordnungen von Prof. Dr. Weiger entstand ein eindrucksvolles Bild davon, wie eng deutsche Zeitgeschichte, Naturschutz und demokratische Entwicklung miteinander verwoben sind. Die Teilnehmer konnten dort stehen, wo einst Grenzzäune und Wachtürme das Land teilten, und gleichzeitig erleben, wie sich entlang dieser ehemaligen Trennlinie ein wertvoller Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten entwickelt hat.

Thomas Findeis, Projektleiter des Naturschutzgroßprojekts „Grünes Band Dreiländereck Bayern–Sachsen–Thüringen

Besondere Eindrücke hinterließen die persönlichen Gespräche während des Peace Walks. Menschen mit eigenen Erfahrungen aus der Zeit der deutschen Teilung kamen mit Teilnehmern aus Korea ins Gespräch. Eine Koreanerin berichtete von ihrer Kindheit in einem Dorf nahe der Grenze zu Nordkorea und zog bewegende Parallelen zur Geschichte Mödlareuths. Gerade diese persönlichen Geschichten machten deutlich, dass sich hinter politischen Begriffen wie Teilung und Wiedervereinigung immer die Lebenswege einzelner Menschen verbergen.

Friedensspaziergang entlang des Grünen Bandes unter der Leitung von Thomas Findeis

Auch Frank Hollmann brachte seine persönlichen Erfahrungen ein. Als Journalist hatte er die Zeit der Grenzöffnung, den Abbau von Zäunen und Minenfeldern sowie die Umbrüche nach der Wiedervereinigung unmittelbar begleitet. Er erinnerte daran, wie schnell sich Geschichte verändern kann, und verwies zugleich auf die Parallelen zwischen dem Grünen Band und der koreanischen DMZ als Rückzugsräume für die Natur inmitten ehemals streng bewachter Grenzregionen.

Gruppenbild „Peace Walk 2026 – Vom Grünen Band zur DMZ“, Mödlareuth

Der Peace Walk in Mödlareuth zeigte eindrucksvoll, wie aus Erinnerungsorten Räume des Dialogs entstehen können. Die Verbindung deutscher und koreanischer Erfahrungen, die Begegnung von Menschen unterschiedlicher Generationen und die gemeinsame Auseinandersetzung mit Geschichte, Natur und Frieden machten die Veranstaltung zu einem besonderen Beispiel deutsch-koreanischer Verständigung.

Vertreter der Deutsch-Koreanischen Gesellschaft Bayern: Alexander Son, Thomas Elster, Frank Hollmann, Juliana Baron

Die Deutsch-Koreanische Gesellschaft dankt insbesondere ihrem Mitglied Seung-Seok Ryu für seine Initiative und sein großes Engagement bei der Organisation des Peace Walks sowie der PUAC Frankfurt für die Ausrichtung dieser gelungenen Veranstaltung. Der gemeinsame Weg entlang des Grünen Bandes hat gezeigt, wie wertvoll persönliche Begegnungen sind – und dass die Erfahrungen der deutschen Geschichte auch heute noch Hoffnung geben können: dass aus Grenzen Brücken werden und aus Orten der Trennung Orte der Begegnung entstehen können.

Empfang des koreanischen Honorarkonsuls in München

Am 20. Mai 2026 verwandelte sich die Freiheitshalle in München für einige Stunden in einen besonderen Ort der deutsch-koreanischen Begegnung.

Thomas Elster, Honorarkonsul der Republik Korea in Bayern und langjähriges Mitglied der Deutsch-Koreanischen Gesellschaft Bayern, hatte anlässlich der Verlegung des Honorarkonsulats in neue Räumlichkeiten zu einem Empfang eingeladen. Verbunden war der Abend mit der Feier des koreanischen Feiertags Seokga Tanshinil (석가탄신일), dem Geburtstag Buddhas, der in Korea zu den bedeutendsten Feiertagen des Jahres zählt.

Rund 150 Gäste aus Politik, Wirtschaft, Kultur und dem diplomatischen Korps folgten der Einladung. Botschafter der Republik Korea in Deutschland, Sang-beom Lim, war eigens aus Berlin angereist und Eric Beißwenger, Bayerischer Staatsminister für Europaangelegenheiten und Internationales, vertrat den Freistaat Bayern. Unter den Gästen befanden sich auch Vertreter verschiedener Konsulate und diplomatischer Vertretungen aus aller Welt. Dazu gehörten der koreanische Honorarkonsul für Tirol, der Generalkonsul der Schweiz, der japanische Generalkonsul sowie der stellvertretende Generalkonsul der Volksrepublik China. Hinzu kamen Repräsentanten verschiedener Verbände, Mitglieder der koreanischen Gemeinschaft in München, Wirtschaftsvertreter, Kulturschaffende und Künstler.

Zahlreiche Gäste aus Politik, Wirtschaft, Kultur und dem diplomatischen Korps beim Empfang des Honorarkonsuls Photo: Manuel Guthmann

Auch Juliana Baron, Vize-Präsidentin der Deutsch-Koreanischen Gesellschaft, nahm an dem Empfang teil. Von der Deutsch-Koreanischen Gesellschaft Bayern waren außerdem unter anderem Moritz Winkler, Saskia Hendy, Meister Seung-Seok Ryu und Manuel Guthmann vertreten, der gleichzeitig auch als Honorary Reporter für Korea.net anwesend war.

Die Vize-Präsidentin der DKG, Juliana Baron, Manuel Guthmann, DKG-Bayern, und die Botschaftsrätin der Republik Korea, Suh Yong-joo tauschten sich an diesem Abend intensiv aus. Photo: Manuel Guthmann

Korea und Bayern seit Jahrzehnten verbunden
Seit 2017 vertritt Thomas Elster die Republik Korea als Honorarkonsul in Bayern. Der Sitz des Honorarkonsulats befindet sich in München, das seit Jahren eine wichtige Rolle für die Beziehungen zwischen Bayern und Korea spielt. Rund 5.000 Koreaner leben und studieren in Bayern. Über 900 bayerische Unternehmen pflegen Geschäftsbeziehungen mit Korea, mehr als 80 davon unterhalten dort eigene Niederlassungen.

Koreanische Kultur in der Freiheitshalle
Was den Abend von vielen klassischen diplomatischen Empfängen unterschied, war das kulturelle Programm. Den Auftakt bildete der traditionelle koreanische Mönchstanz Seungmu (승무), aufgeführt von Hye-Soon Um-Schoof, Leiterin von Korea Tradition und ehemalige langjährige Vorsitzende der Deutsch-Koreanischen Gesellschaft Bayern. Begleitet wurde der Tanz von der Beopgo-Trommel. Während der Aufführung wurde es im Saal deutlich ruhiger und viele Gäste verfolgten aufmerksam jede Bewegung.

Hye-Soon Um-Schoof führte den traditionellen koreanischen Mönchstanz, Seungmu zur Beopgo-Trommel auf. Photo: Manuel Guthmann

Anlässlich von Buddhas Geburtstag rezitierte anschließend Hyon Gak Sunim, Zen-Meister des Zen-Centers Regensburg, das Herz-Sutra auf Koreanisch, begleitet von der Moktak, einer traditionellen hölzernen Glocke. Ergänzt wurde der Abend durch koreanische Musikbeiträge des Tenors Q-Won Han, Mitglied des Chors des Bayerischen Rundfunks. Besonders bei Arirang standen viele Gäste im Saal auf und sangen gemeinsam mit.

Hyon Gak Sunim, Zen-Meister des Zen-Centers Regensburg, rezitierte anschließend das Herz-Sutra auf Koreanisch anlässlich Buddhas Geburtstag. Photo: Manuel Guthmann

Im Anschluss blieben viele Gäste noch lange beim koreanischen Buffet zusammen, das von DKG-Bayern-Mitglied Chun-Wook Park (vom Restaurant Hansik in München) zusammengestellt wurde. Von Bibimbap und Korean Fried Chicken bis zu Japchae, Kimchi und Gimbap kamen die koreanischen Spezialitäten bei den Gästen gut an. Dabei entstanden viele Gespräche über Korea, die deutsch-koreanischen Beziehungen und persönliche Erfahrungen mit dem Land.

Verleihung Mirok Li-Preis der DKG an die Übersetzerin Dr. Hyang-Ki Lee

Am 17. Mai 2025 würdigte die Deutsch-Koreanische Gesellschaft die Arbeit der Übersetzerin Dr. Lee Ki-Hyang mit der Verleihung des diesjährigen Mirok Li-Preises im Kloster St. Ottilien in der Nähe von München.

Botschafter Lim, Preisträgerin Dr. Lee, DKG-Präsident Mafael

Vor etwa 90 Gästen leitete nach Grußworten des Erzabtes des Klosters, Wolfgang Öxler, und des Botschafters der Republik Korea, Sang-Beom Lim, die Literaturwissenschaftlerin und Mirok Li-Preisträgerin Dr. Sylvia Bräsel mit einem Vortrag zur Kunst des Übersetzens über zur eigentlichen Preisverleihung durch den Präsidenten der DKG, Botschafter aD Rolf Mafael. Das Programm wurde eingerahmt von hervorragenden musikalischen Darbietungen koreanischer Künstler.

„Übersetzen bedeutet für mich, die Werke solcher schreibenden Menschen anderen Menschen zugänglich zu machen, die in ihnen verborgene koreanische Kultur und Gefühlswelt in eine andere Sprache zu übertragen und sie dem Leser nahe zu bringen. Ich bin jemand, der genau das tut, ein Kulturvermittler. Ein Homo Transmun.“

Mit diesen Worten entgegnete unsere Mirok Li-Preisträgerin 2025, Dr. Lee Ki-Hyang, auf ihre Auszeichnung.

Preisträgerin Dr. Ki-Hyang Lee

Ein übersetzender Mensch für einen schreibenden Menschen, so sieht sich unsere Preisträgerin. Dr. Lee übersetzt seit mehr als zweieinhalb Jahrzehnten koreanische Bücher ins Deutsche. Sie machte uns, dem deutschsprachigen Publikum, die Werke der Literatur-Nobelpreisträgerin 2024 Han Kang vertraut. Zudem publiziert Dr. Lee mit ihrem Märchenwaldverlag koreanische Kinderbücher für die deutschsprachige Leserschaft und unterrichtet koreanische Sprache an den Münchner Universitäten LMU und TUM.

Am 17. Mai 2025 würdigte die Deutsch-Koreanische Gesellschaft die Arbeit der Übersetzerin Dr. Lee Ki-Hyang mit der Verleihung des Mirok Li-Preises in St. Ottilien in der Nähe von München. Das Kloster der Missions-Benediktiner ist seit weit mehr als einem Jahrhundert eng verbunden mit der deutsch-koreanischen Geschichte, auch durch die frühere Mission der Benediktiner im heutigen Osten Nordkoreas.

Erzabt Wolfgang Öxler

Seit 1999 verleiht die DKG im jährlichen Wechsel mit ihrer koreanischen Partnergesellschaft in Korea den Mirok Li-Preis in Erinnerung an Mirok Li, den Schriftsteller und Widerstandskämpfer gegen die japanische Besetzung Koreas in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Mirok Li floh aus dem besetzten Korea nach Deutschland, lehrte in München und lebte im Vorort Gräfelfing. Auf dem Friedhof dort und nahe des S-Bahnhofs erinnern Gedenkstätten an Mirok Li, nur etwa 30 Kilometer entfernt von St. Ottilien.

Die Preisverleihung an Dr. Lee am 17. Mai vor rund 90 Gästen spannte auch den Bogen zu drei früheren Mirok Li-Preisträgern. Im historischen Rittersaal von St. Ottilien ehrte die DKG 2017 Erzabt Notker Wolf, der 2024 verstarb. Prof. Albrecht Huwe, Preisträger 2002, führte in die begleitende Ausstellung zum Mirok Li-Nachfolger an der Münchner Universität, Andre Eckardt, ein, ebenso wie Dr. Sylvia Bräsel, Preisträgerin 2009.

Nach der Eröffnung durch Frank Hollmann, Vorsitzender des Regionalverbandes Bayern, und Thomas Elster, Honorarkonsul in Bayern, hielten Erzabt Wolfgang Öxler, gleichzeitig großzügiger Gastgeber dieses koreanischen Kulturtages in St. Ottilien, und der Botschafter der Republik Korea, Seine Exzellenz Sang-beom Lim, ihre Grußworte. Er war extra für diesen Tag aus Berlin angereist.

„Wenn Mirok Li der Erste war, der koreanische Kultur durch Literatur nach Deutschland brachte, dann ist es Lee Ki-Hyang, die dieses Erbe fortsetzt und erweitert“, so Botschafter Lim.

Botschafter Seine Exzellenz Sang-beom Lim

Mit ihrem Vortrag „Über-setzen, Begegnungen an Wortgrenzen“ führte Frau Dr. Bräsel hin zur eigentlichen Preisverleihung. Ein literarisches Werk soll sicher und möglichst ohne inhaltlichen, kulturellen und historischen Verlust vom Ufer der Ausgangssprache an das Ufer der Zielsprache übergesetzt werden, so Dr. Bräsel.

Dr. Sylvia Bräsel

Der Präsident der DKG, Botschafter aD Rolf Mafael, würdigte in seiner Laudatio die Leistung der Preisträgerin.

„Sie, sehr geehrte Frau Dr. Lee, haben in den letzten 20 Jahren durch ihre vielfältigen Übersetzungen moderner koreanischer Literatur einem breiteren deutschen Publikum den Zugang zu dieser Literatur und dem Denken ihres Heimatlandes ermöglicht und damit einen herausragenden Beitrag zur kulturellen Verständigung zwischen Deutschland und Korea geleistet. In diesem Sinne sind Sie wahrhaft zu einer kulturellen Botschafterin Ihres Heimatlandes im deutschen Sprachraum geworden.“

Bundesvorsitzender Rolf Mafael bei seiner Laudatio im Rittersaal

Zur Vollendung brachte die Preisverleihung ein herausragendes musikalisches Begleitprogramm von Park Jinseon, Nho-von Blumröder Yookhyung, Song Seonhye, Nam Kibeom und Chung Tackyoung.

Das abschließend gemeinsam gespielte und gesungene Arirang bildete den emotionalen Höhepunkt und Abschluss der Mirok Li-Preisverleihung und des deutsch-koreanischen Kulturtages in St. Ottilien.

Bericht: Frank Hollmann, Vorsitzender des Regionalverbandes Bayern

Fotos: Juliana Baron, stellvertretende Vorsitzende des Regionalverbandes Bayern, Thomas Konhäuser, Regionalverband Berlin-Brandenburg

20 Jahre in Korea – Erinnerungen an Andre Eckhardt

„20 Jahre in Korea – Erinnerungen an den Missionar, Brücken-bauer und Gründer der Deutschen Koreaforschung Andre Eckardt“

Die Deutsch-Koreanische Gesellschaft e.V. (DKG) eröffnet am 17. Mai 2025 zusammen mit der Erzabtei St. Ottilien in Eresing eine Ausstellung zur Erinnerung an die Benediktiner-mission in Korea und den Missionar Andre Eckardt

Die Erzabtei St. Ottilien hat über die ab 1909 entsandten Missionare eine besondere Beziehung zu Korea. Viele weitere Missionare folgten im Laufe der nächsten Jahre, einige kehrten in Folge von Flucht, Vertreibung und Kerkerhaft im Koreakrieg nie zurück. Die Geschichte der Benediktinermission St. Ottilien ist im Missionsmuseum St. Ottilien aufgearbeitet und auch in verschiedenen Büchern (u.a. Johannes Maar, Aufgehobene Häuser Teil I-III, EOS-Verlag 2009, Norbert Weber, Im Land der Morgenstille, München 1915 und Andre Eckardt, Wie ich Korea erlebte, Frankfurt 1950) beschrieben.

Ergänzt wird die lange Geschichte der Koreamission St. Ottilien nun durch eine Ausstellung der Deutsch-Koreanischen Gesellschaft e.V. Auf 23 Tafeln mit Fotos und zweisprachigen Erläuterungen wird vor dem Hintergrund der Missionsgeschichte in Seoul und später im Norden Koreas das Wirken von Pater Andreas Eckardt thematisiert, der sich neben der Missionsarbeit intensiv mit Sprache, Landeskunde, Kunstgeschichte, Architektur, Literatur, Poesie und Märchen, Musik und Botanik Koreas beschäftigte und so zum Begründer der Koreanistik in Deutschland wurde. Obwohl Eckardt nie mehr nach Korea zurückkehrte, hat ihn die Liebe zu Land und Leuten bis zu seinem Lebensende intensiv begleitet. Seine Erlebnisse, Eindrücke und Studien hat er in einer Vielzahl von Büchern, Zeitschriften­beiträgen und Vorträgen festgehalten und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Noch nicht zugänglich ist der private Nachlass, der bis heute in Bonn verwahrt wird und nun für die Öffentlichkeit in seinen bedeutenden Teilen erschlossen werden soll.

Planung, Erstellung und Einrichtung der Ausstellung lagen bei Wolfram van Stephold, Projektleiter der DKG in Nordrhein-Westfalen und Mentor im Jugendnetzwerk Deutschland und Korea und Hyejin Byun, MA, Kunstgeschichte und Provenienzforschung als Assistenzkuratorin. Beide moderierten auch die Ausstellungseröffnung. Mit fachlichem Rat stand ihnen Professor Albrecht Huwe, Verwalter des Nachlasses, zur Seite. In seiner Begrüßung hob Pater Dr. Cyrill Schäfer OSB die Bedeutung der Benediktinermission und deren Geschichte, aber auch die gute Zusammenarbeit mit dem Projektteam der DKG hervor. Der Präsident der DKG, Rolf Mafael, bedankte sich für diese einzigartige Kooperation und die Gelegenheit, Mitglieder und Gäste in der Erzabtei St. Ottilien, also am Ausgangsort der langen Reise von Pater Andreas Eckardt begrüßen zu dürfen.

In seinem Fachbeitrag zeigte Prof. Dr. You-Jae Lee, Professor und Geschäftsführender Direktor am Asien-Orient Institut, Abteilung für Koreanistik der Universität Tübingen Hintergründe der Missionsarbeit in Korea auf, die zum Verständnis der weiteren Entwicklung wesentlich sind. Stets dem benediktinischen Grundsatz „Ora et labora“ folgend war das tägliche Leben der ausländischen Missionare in Korea zum Ende der Joseon-Zeit durch die vorgefundenen gesellschaftlichen Strukturen aber auch die  japanische Besetzung und den späteren Korea-Krieg stark erschwert.

Frau Dr. Sylvia Bräsel, Dozentin i.R., Bereich Neuere Deutsche Literaturwissenschaften Universität Erfurt, ging  am Beispiel des Buches von Andreas Eckardt, Unter dem Odongbaum, Eisenach 1951, auf die grenzüberschreitende Wirkung koreanischer Märchen und Fabeln zwischen Regionalität und Interkulturalität ein. Sie erläuterte eingehend Geschichte und Voraussetzungen für die Entstehung der  Märchensammlungen Eckardts und ihre spezifischen Merkmale, die sie in der deutsch-koreanischen Kulturbeziehung so einzigartig erscheinen lassen.

Prof. Dr. Albrecht Huwe, Schüler von Prof. Eckardt, Herausgeber der Reihe „Korea erzählt“ im EOS-Verlag St. Ottilien und Verwalter des Nachlasses von Eckardt, zeigte in einem bewegenden Beitrag den Stand der Nachlassforschung anhand von sorgsam ausgewählten Beispielen aus dem Nachlass auf. Die Sammlung besteht aus den Publikationen Eckardts, also Monografien, Zeitschriftenartikeln, ferner z.T. noch unveröffentlichten Typoskripten, Gemälden, dem musikalischen Oeuvre, Fotos, persönlichen Skizzen und Notizen, Möbeln und vielem mehr. Sie wird seit dem Tod der Ehefrau Eckardts von ihm sachgerecht aufbewahrt und soll nun weiter erforscht und in ihren bedeutenden Teilen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Anschließend konnten die ca. 60 anwesenden Gäste, darunter der Botschafter der Republik Korea Sang Beom Lim, Honorarkonsul der Republik Korea in München Thomas Elster und die Vorsitzenden der DKG-Regionalverbände Frank Hollmann (Bayern), Jukyung Park (Baden-Würtemberg), Prof. Rolf Hempelmann (Saarland) und Reiner Schöler (NRW), einem Ausschnitt aus einem Radiobeitrag aus dem Jahr 1968 lauschen. Im Originalton erzählt Andre Eckardt darin, wie er zu seiner Liebe zu Korea und zu seinen intensiven Studien der koreanischen Kultur kam. Nach einem Filmausschnitt des Films „Auf dem Missionsfelde“ von Norbert Weber konnten sich die Gäste im Ausstellungsraum umsehen und von Tanja Holthausen, Stellv. Leiterin im Missionsmuseum, weitere Informationen und Hintergründe zur Koreamission der Erzabtei St. Ottilien erfahren.

„Eine sehr informative und anregende Veranstaltung mit vielen neuen und bislang wenig bekannten Details zum Leben und Wirken von Pater Andreas Eckardt. Die Ausstellung zeigt eindrucksvoll, wie früh und wie tief das Interesse an Korea in Deutschland verwurzelt war, und welche Rolle einzelne Persönlichkeiten dabei gespielt haben. Sie kann gerade auch jungen Menschen einen Zugang zur koreanischen Kultur eröffnen und den Blick für die historischen Verbindungen zwischen Deutschland und Korea schärfen“, so Manuel Guthmann, Honorary Reporter von Korea.net, dem offiziellen Informationsportal des koreanischen Ministeriums für Kultur, Sport und Tourismus, der ebenfalls anwesend war.